Carola Kleinschmidt/ Anne Otto:
My way. Wie Frauen erreichen, was wirklich zu ihnen passt. Eine Orientierungshilfe.
München 2008
Welcher Job passt zu mir? Wie viel will ich arbeiten? „Berufsleben von Frauen sind oft voller Abzweigungen und Nebenwege“ konstatieren die Autorinnen auf dem Buchrücken und wissen aus eigener Erfahrung, dass die üblichen Karrieretipps da oft nicht weiter helfen. Als konkrete Orientierungshilfe folgen am jeweiligen Ende der 7 Kapitel praktische Hinweise zur Thematik und Verweise, um sich weiter zu informieren bzw. gleich am Ende des ersten Kapitels ein Selbsttest, welcher Berufstyp (Lebenskünstlerin, Leistungsträgerin, Multitaskerin etc.) frau denn eigentlich ist.
Auch bei Kleinschmidt/ Otto hat im Kapitel „Stärken entdecken und entfalten“ Erfolg im Beruf mit Flow zu tun. Das, was leicht fällt, was jemand wirklich gut kann, was begeistert, das ist auch meistens eine Stärke, die gleichzeitig eine Leidenschaft ist. Das Aufgehen in Aufgaben, die leicht zu bewältigen sind und darüber hinaus Spaß machen, das sind Flow-Erlebnisse im Beruf, die Freude machen und den eigentlichen, sehr individuellen Charakter von Erfolg ausmachen.
Weitere grundsätzliche Orientierungstipps enthält das Kapitel zum Abgucken bei anderen Frauen: Wie haben erfolgreiche Frauen (die dabei auch einigermaßen glücklich zu sein scheinen) es geschafft (eben glücklich zu bleiben)? Oder das Kapitel zum Netzwerken – insbesondere hier ist der Praxistipp zu Businessnetzwerken mit Links hilfreich und konkret.
Dass es nicht mehr nur um die Frageformel Kind oder Karriere geht, sondern v. a. um das 'Wie alle „Baustellen“ des Lebens miteinander zu vereinbaren' thematisiert das Kapitel „Voll im Leben: Genug Platz für Job, Kind und den ganzen Rest“. Die Autorinnen zeichnen hier 3 Klischees nach, die über berufstätige Mütter kursieren und die allesamt überzeichnet sind. Ob es nun die Gluckenmutter ist, die sich voll und ganz ums Kind kümmern will und der der Job egal ist, die berufstätige Mutter mit den perfekten Lösungen zur Vereinbarkeit oder die toporganisierte Selbstständige ist – allesamt sind überzeichnet und entsprechen so bestimmt nicht alltagsrealen Frauenwelten. Spannend wäre es hier gewesen, Leistungsmaßstäbe zu thematisieren, die der Entstehung dieser Klischees zugrunde liegen und die gerade Frauen untereinander und an sich selbst anlegen – häufig auch ohne Kinder.
Schließlich konstatieren die Autorinnen elf Mythen, von denen Frauen sich bei der eigenen Wegessuche verabschieden sollten, z. B. der Mythos, dass man sich als Frau der Männerwelt anpassen müsse, wenn man weiterkommen möchte. Dieser Versuch der Enttarnung von Mythen und Glaubenssätzen wird allerdings stark konfrontiert mit dem verallgemeinernden Anspruch des Buches, Frauen Orientierung für ihren Weg zu geben - dieser Anspruch wirkt hier selbst etwas plakativ. Trotzdem lohnt und amüsiert das Lesen, denn die Autorinnen stellen immer wieder anschauliche Bezüge her z. B. zu einer Tatortkommissarin, zu Josef Ackermann oder zur Wirtschaftsprofessorin Sonja Bischoff, die an der Uni HH lehrt.
(Rezension: Dr.Nina Feltz, Career Center)