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Inhalt:

Was ist sexuelle Diskriminierung und Gewalt?



Sexuelle Diskriminierung und Belästigung sind alle unerwünschten Verhaltensweisen mit sexualisiertem Bezug durch die eine Person aufgrund ihres Geschlecht oder ihrer sexuellen Identität herabgewürdigt wird.

Überwiegend Frauen erleben solche unwillkommenen und aufdringlichen Verhaltensweisen, durch die sie sich peinlich berührt, gedemütigt und/oder eingeschüchtert fühlen. Sexuelle Diskriminierungen oder Belästigungen sind stets einseitige Verhaltensweisen und unterscheiden sich grundlegend von Flirts und Komplimenten, die eine respektvolle und wechselseitige Komponente beinhalten.

Sexuelle Diskriminierung, Belästigung und Gewalt kann sich in Worten, Gesten, Handlungen ausdrücken, z.B. in
  • anzüglichen Bemerkungen über Aussehen oder Privatleben
  • sexistischen Sprüchen und Witzen
  • dem Vorzeigen, Aufhängen oder Auflegen von pornographischem Material
  • taxierenden Blicken
  • ungewollten Berührungen und Aufdringlichkeiten
  • wiederholten unerwünschten Einladungen
  • Annäherungsversuchen und unerwünschten Aufforderungen, die mit Versprechen von Vorteilen oder Androhen von Nachteilen einhergehen,

bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen wie Erzwingen sexueller Handlungen (Nötigung), körperlichen Übergriffen und Vergewaltigung.

Da sexuelle Diskriminierung und Belästigung weniger Fragen der Sexualität als der Macht sind, wird häufig ein bestehendes Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt. Diese Erfahrung machen Betroffene. Ihrem Widerstand kann z.B. mit Versprechungen von Belohnungen bei sexuellem Entgegenkommen oder Androhung negativer Auswirkungen im Falle der Verweigerung begegnet werden, etwa einer Benachteiligung bei Prüfungen und Benotung, bei Stellenbesetzungen oder Beförderungen.

"Sexuelle Belästigung - das sind Annäherungsversuche jeder Art in Form von Gesten und Äußerungen, jeder unerwünschte körperliche Kontakt, explizit sexuell abfällige Anspielungen oder sexistische Bemerkungen, die wiederholt am Arbeitsplatz vorgebracht und von der Person, an die sie sich richten, als beleidigend empfunden werden und zur Folge haben, dass sie sich bedroht, erniedrigt oder belästigt fühlt. Sexuell belästigend sind auch Anspielungen und sexistische Bemerkungen, die die Frauen in ihrer Arbeitsleistung beeinträchtigen, ihre Einstellung gefährden oder am Arbeitsplatz eine unangenehme Atmosphäre schaffen." Aus: Plogstedt, S., Degen, B. "Nein heißt nein! DGB Ratgeber gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz", 1992

Mögliche Folgen sexueller Diskriminierung und Gewalt für Betroffene

Sexuelle Belästigungen und Diskriminierungen schaffen eine unangenehme, unter Umständen auch bedrohliche Atmosphäre am Studien- oder Arbeitsplatz. Sie werden dann zu einer persönlichen Belastung der Betroffenen. Die Folgen davon können sein
  • Selbstzweifel, Schamgefühle
  • Ohnmacht, Wut, Verzweiflung
  • Isolation
  • Ängste, Depressionen, psychosomatische Beschwerden und Erkrankungen
  • mangelnde Konzentrationsfähigkeit
  • erhöhte Fehlzeiten aus Scheu vor dem Studien- oder Arbeitsplatz
  • Wechsel der Seminare, des Studienfachs oder -ortes / des Arbeitsplatzes
  • Studienabbruch bzw. Kündigung
  • Behinderung der freien Entfaltung von Leistungspotenzialen und Karrierechancen

Was können Sie tun, wenn Sie von sexueller Diskriminierung oder Gewalt betroffen sind?

Wenn Sie von sexueller Diskriminierung, Belästigung oder Gewalt betroffen sind oder wenn Sie unsicher sind, wie Sie ein Erlebnis, eine Situation bewerten sollen, die „irgendwie komisch“ war, können Sie sich an die Anlaufstelle der Universität wenden.

Sie können sicher sein, dass das Gespräch vertraulich bleibt und dass nichts ohne Ihre Zustimmung unternommen wird.

Wichtig ist zunächst, dass Sie Ihrem Gefühl, eine Situation sei „irgendwie komisch“ gewesen, trauen. Im Gespräch können Sie die Situation, ihre Wahrnehmung und die ausgelösten Gefühle reflektieren. Oftmals ist es schon hilfreich, mit einer fachkundigen Person über das Erlebte vertraulich zu sprechen und sich so Klärung zu verschaffen.

Denn: Verunsicherung darüber, ob das Erlebte eine sexuelle Belästigung war oder nicht, ist oftmals eine der ersten Reaktionen. Z.B. weil man überrascht oder überrumpelt ist, wenn etwa ein Arbeitsverhältnis, das bis dahin auf einer rein fachlichen Ebene stattfand, plötzlich sexualisiert wird und dadurch auf eine Ebene gerät, die „irgendwie“ falsch und unpassend ist, nämlich plötzlich sehr persönlich oder auch intim. Die belästigenden Personen wissen in aller Regel sehr genau, wann sie Grenzen überschreiten, auch wenn sie das Gegenteil behaupten. Später zu erklären, es sei doch gar nichts gewesen, ist eine grundlegende Strategie der Leugnung und Verunsicherung über die Bewertung.

In einem Beratungsgespräch können Sie z.B. auch klären, welche individuellen Möglichkeiten Sie haben, sich zur Wehr zu setzen bzw. zu schützen. Sie können außerdem wichtige Informationen über institutionelle und/oder strafrechtliche Möglichkeiten der Gegenwehr erhalten, die Ihnen eine Entscheidung über weitere Schritte erleichtern können.

Wichtig zu Ihrem Schutz ist, dass Sie, wenn Sie die Situation erkannt haben, nach Möglichkeit deutlich machen, dass Sie diese Art der Belästigung nicht möchten. Zu versuchen, die Belästigung zunächst zu ignorieren, ist zwar eine nachvollziehbare und häufig übliche Reaktion, aber - das haben empirische Untersuchungen ergeben - führt eher nicht dazu, dass die belästigende Person ihr Verhalten einstellt. Eine deutliche und energische Abwehr, möglichst im Beisein von anderen, ist die wirksamste Reaktion auf sexuelle Belästigung. Gut für ein eventuell offizielles Vorgehen gegen die belästigende Person ist es, die Vorfälle schriftlich zu dokumentieren.

Sie haben das Recht auf ein respektvolles Arbeits- und Studienklima frei von sexueller Belästigung, Diskriminierung und Gewalt. Die Verantwortung für die Belästigung und Gewalt liegt bei der belästigenden Person.
 

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